Haben Sie auch schon einen Umschlag bekommen?: Behörde verschenkt 5-Euro-Scheine

In dem Schreiben vom Robert-Koch-Institut lagen bei der Familie Maiborg fünf Euro im Umschlag

In dem Schreiben vom Robert-Koch-Institut lagen bei der Familie Maiborg fünf Euro im Umschlag

Foto: Privat
Von: Torsten Pauly

Berlin/Lübeck – Sollten Sie einen Brief vom Robert-Koch-Institut (RKI) erhalten haben, können Sie sich freuen: Denn im Briefumschlag sind 5 Euro, die Sie auch behalten dürfen – als Anreiz, um bei der Studie „Gesundheit in Deutschland“ mitzumachen.

Denn das RKI hat in 300 Städte und Gemeinden insgesamt 180 000 Briefe an Menschen ab 16 Jahren geschickt, die „über ein wissenschaftliches Zufallsverfahren aus dem Einwohnermelderegister ausgewählt“ worden seien.

Kosten der Studie tragen wir Steuerzahler

Erfahrungsgemäß geht das Institut aber davon aus, dass 150 000 Adressaten erst gar nicht an der Studie teilnehmen. Heißt im Klartext: Allein die 150 000, die nicht mitmachen, kosten den Steuerzahler etwa 750 000 Euro. Und nicht wenige Umschläge könnten als vermeintliche Werbepost ungelesen im Müll gelandet sein – mitsamt der Scheine. Für alle, die mitmachen, gibt es hingegen sogar noch mal einen Bonus von 10 Euro.

Auch die Tochter von Jens Maiborg (56) erhielt so einen Brief. Der Lübecker wunderte sich zunächst, dass ein Bundesinstitut Briefe mit Bargeld verschickt, witterte eine neue Betrugsmasche. Maiborg: „Im Internet konnte ich zunächst keine Information zu einer solchen Aktion finden. Doch auf Nachfrage beim Koch-Institut bestätigte man mir, dass alles in Ordnung sei.“

Jens Maiborg (56) freut sich für seine Tochter, die vom RKI fünf Euro geschenkt bekam

Jens Maiborg (56) freut sich für seine Tochter, die vom RKI fünf Euro geschenkt bekam

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Aber warum verschwendet das Robert-Koch-Institut im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit so viel Geld?

„Der Einsatz von sogenannten Incentives (dt. Ansporn, d. Red.) zur Förderung der Studienteilnahme ist gängige Praxis und wurde in der methodischen Forschung umfangreich untersucht“, so eine RKI-Sprecherin zu BILD.

Bund der Steuerzahler kritisiert RKI

Der Bund der Steuerzahler (BdSt) kritisiert das Vorgehen des RKI. „Abgesehen von einer vermutlich sinnvollen Gesundheitsumfrage – und abgesehen von der Methode, Bargeld in Briefen zu versenden: Bei dieser augenscheinlichen Verschwendung von Steuergeld droht ein Beitrag im Schwarzbuch! Offenbar geben hier alle Steuerzahler Geld für einen ausgesuchten Personenkreis aus. Wer nicht mitmacht, kann das Geld demnach behalten“, so BdSt-Präsident Reiner Holznagel (47) auf BILD-Anfrage.

Holznagels Forderung: „Weil öffentliche Mittel fließen, sind auf jeden Fall detaillierte Erklärungen fällig – solange sollte die Umfrage gestoppt werden.“

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